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Erfahrungsbericht: Android und Mirror Link

Im März holte ich mein neues Auto ab und freute mich auf all die neuen, technischen Spielereien wie ein digitales Cockpit, LED Fahrlicht, das Fußgänger und den Gegenverkehr nicht blendet, Umfeldsensoren, die auch den Raum hinter dem Fahrzeug erfassen (z.B. beim Ausfahren aus einer Hofeinfahrt) sowie ein großes Radio mit Touch und pipapo und: Android Auto, Apple Car Play und Mirror Link. Diese drei Funktionen hakte ich im Konfigurator mit an, weil ich mir einen echten Mehrwert dadurch versprach, vor allem was das Handling von App-Verknüpfungen auf dem Handydisplay angeht. Ich will die Finger am Lenkrad haben und nur bei Bedarf eine App öffnen.
Soweit gedacht, soweit so gut.

Die Praxis erweist sich als weniger spannend und eher enttäuschend. Mein Fehler war ganz klar, dass ich mich im Vorfeld zu wenig schlau gemacht hatte, denn so hätte ich gewusst, dass Android Auto nur eine handvoll Apps unterstützt und Mirror Link so gut wie nicht funktioniert.

Zu Android Auto: beim Anschließen des Telefons per USB-Kabel ans Radio fängt es schonmal damit an, dass das Telefon nicht mehr für die Medienwiedergabe über Bluetooth zu gebrauchen ist (deaktiviert) und eine Nutzung von Android Auto über Bluetooth geht gar nicht. Einmal jedoch per USB verbunden erhält man eine schnöde, langweilige Oberfläche, die entweder nichts anzeigt oder große Kacheln mit den zuletzt gewählten Navizielen oder, per Fingertip auf die entsprechende Taste, eine Liste der letzten Anrufe. Erhält man eine Nachricht über Whatsapp, Threema oder per SMS erscheint eine Kachel im Display und man kann sich den Inhalt vorlesen lassen, was grauenhaft klingt, da die nette "Dame" halt fast wie ein Roboter spricht, oder man beantwortet Nachrichten mit vorgegebenen Antworten wie: "Ich fahre gerade". Die Sprachbedienung hingegen über Google klappt ganz gut.
Aber das war auch schon alles. Meine eigentlich Intention war aber, die Oberfläche meines Handys auf dem Radiodisplay zu haben, um gezielt Apps starten und nutzen zu können. Und da käme Mirror Link ins Spiel.

Auf vielen Seiten im Internet kann man lesen, dass Mirror Link leidlich bis gar nicht funktioniert, weshalb viele Autobauer, dieses Feature schon gar nicht (mehr) anbieten, bewerben oder anders bezeichnen.
Ich las also nach und fand zahlreiche Seiten, auf denen stand, dass das LG G3 und G5 Mirror Link unterstützen würden, aber eine Verbindung kam nicht zustande.
Mein Radio meldet stoisch, dass kein Gerät gefunden werden könne. Also lud ich mir über den Playstore die offizielle LG Mirror Link App herunter und installierte sie, nur um auf beiden Geräten die Meldung zu erhalten, dass sie kein Mirror Link unterstützen würden. Na, toll! Welche Aussage stimmt denn jetzt? Offenbar die der App, denn die Verbindung klappt halt nicht.

Somit lohnte sich die Mehrausgabe für diese Funktionen aus meiner Sicht in keiner Weise. Zu guter Letzt blieb mir noch ein Versuch mit VW Media Connect. Dazu lud ich mir eine 250 MB schwere App auf's Handy und versuchte kläglich einen Verbindungsaufbau herzustellen. Das Handbuch beschreibt nur rudimentär was zu tun ist und so probierte ich es mehrmals falsch, bis es dann klappte.

Das ganze funktioniert, wenn man:

- Die App installiert
- Auf dem Smartphone Tethering aktiviert
- Das Auto per WLAN mit dem Handy/Smartphone verbindet
- Die App startet

Dann steht im Radiodisplay zwar immer noch: "Stellen Sie eine Verbindung her und starten Sie die Anwendung" (oder so ähnlich), aber diese Meldung steht dort unsinnigerweise, denn die Verbindung steht. Ich konnte im Test also die Lautstärke ändern, zwischen den Radiosendern hin- und herschalten, den Fader für die Lautsprecher bedienen, usw. . Allerdings erschließt sich mit der Sinn dieser ganzen Sache nicht, denn man sitzt ja in den allerwenigsten Fällen auf der Rückbank, wenn das Auto fährt, um dann von dort aus das Radio zu bedienen.

Man kann mit der App nicht mehr machen, als am Radio auch; im Gegenteil: sogar noch weniger. Wozu die App dann aber satte 250 MB groß ist, weiß ich nicht. Erst recht nicht, welchen echten Zweck sie haben soll. Oder habe ich schlichtweg spannende Features übersehen? Ich weiß es nicht, gebe es jetzt aber auf, die vermeintlich tollen Features nutzen zu wollen. Fest steht nur: Das 260,- € teure, oder besser: billige, China RNS eines Freundes kann da 100 Mal mehr!! Man hat einen Filemanager, Audio- und Videoplayer, einen Webbrowser, die Google Navigation und, und, und. Das alles unter Android 6.x, schnell, ruckelfrei, komfortabel und ohne, dass man etwas vermissen würde. DAS hätte ich mir zumindest annhähernd erhofft, indem ich mein Gerät hätte spiegeln können. Aber nein: erneut bleiben die Werksradios trotz schicker neuer Funktionen, großem Touchscreen mit Annhäherungssensor und zahlreichen Schnittstellen wie USB, Bluetooth und WLAN weit, weit hinter den Möglichkeiten und deutlich günstigeren Geräten zurück. Schade eigentlich.

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